publiziert in:
ARCH+, Zeitschrift für Architektur und Urbanismus #235: RECHTE RÄUME, Bericht einer Europareise, Mai 2019, S. 140-149

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Unbehagliche Räume

I.

Man könnte meinen, es entbehre jeder Logik, dass in Österreich eine demokratisch gewählte Regierung, deren Maßnahmen sich direkt gegen die Interessen der Mehrheit ihrer Wähler*innen richten, einen derart hohen Zuspruch erfährt.[i]Der Takt, in dem seit Dezember 2017 von der ÖVP-FPÖ-Koalition unter Bundeskanzler Kurz patriarchale, frauenfeindliche, rassistische und menschenverachtende Maßnahmen umgesetzt werden, ist atemberaubend undmacht die österreichische Gesellschaft in meinen Augenzunehmend labil. Das derzeitige rechtspopulistische Projekt nutzt in erster Linie der Aufrechterhaltung einer neoliberalen Illusion von individueller Freiheit, Konsum und Exzess, um das Ziel der Umverteilung von unten nach oben durchzusetzen und zugleich emanzipatorische Errungenschaften der Gesellschaft zu zerstören.

Will man in diesem aktuellen Kontext über Raum, Stadt und Architektur sprechen, wird schnell klar, dass eine Zuordnung nur schwer möglich ist. Es gibt kein eindeutiges „rechtspopulistisches“ Architekturprojekt. Die Raum- und Stadtproduktion wird seit längerem vermehrt durch privates (Investment-)Kapital vorangetrieben und entspricht eher einer Anwendung globaler Geschäftsmodelle denn einer lokal spezifischen Praxis. Um die symbolische Verwendung von Räumen und ihre Strukturierungen herauszuarbeiten, beschreibe ich zuerst die spezifisch österreichische Situation. Ausgangspunkt ist eine kurze persönliche Notiz zu meiner Biografie. Im Anschluss daran arbeite ich Kategorien von Räumen heraus, die, wie ich hoffe, helfen können, die gegenwärtige Regierungsform in Relation zu Raumpolitik und Architektur zu verstehen.

 

II.

Ich bin in Linz in Oberösterreich aufgewachsen. In jener Zeit, d. h. in den 1970er- und 1980er-Jahren, war Linz noch die dreckige Stahl- und Chemiestadt, deren Industrie im „Dritten Reich“ als Teil der nationalsozialistischen Rüstungsindustrie gegründet worden war. Damals habe ich viele Seiten konservativer und rechter Ideologien im Alltag erfahren. Oftmals wurden sie im Versteckten gelebt; sie wurden durch nationalstaatliches Pathos übertüncht; sie waren zwar nicht öffentlich erwünscht, jedoch allgemein geduldet. 

Mein Großvater war ein Nazi; ein „kleiner“ Nazi oder Mitläufer ... 

 

 

Den ganzen Text können Sie im ARCH+, Zeitschrift für Architektur und Urbanismus #235: RECHTE RÄUME, Bericht einer Europareise, Mai 2019, S. 140-149 lesen.

 

 


[i]In einer im Juni 2018 veröffentlichten repräsentativen Umfrage ist eine Mehrheit von 53 Prozent der Österreicher*innen mit der Koalition zufrieden. Vgl. Conrad Seidl: „Hohe Zustimmung für Kurz, mäßige für Strache“, in: Der Standard, 21.6.2018, derstandard.at/2000081937704/Hohe-Zustimmung-zu-Sebastian-Kurz-maessige-zu-Heinz-Christian-Strache (Stand: 1.2.2019)